• Schamanenmusik Sibirien Sakha

Dvakhtar sanaata (Gedanken einer Frau)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Ich bin das Feuer. Ich bin ein Stern am dunklen Himmel, ich bin ein Lagerfeuer am Waldesrand, ich bin das Feuer, das in einem Ofen brennt. Ich wärme, ich locke aus der Ferne, diese Gaben sind mir von der Natur gegeben. Ich bin das Feuer. Dem Feuer gleich ist auch meine Seele: Geheimnisvoll und manchmal sogar dunkel. Wenn ich will, so lasse ich Eis zerschmelzen. Und falls du grobes zu mir sagst, werde ich deine Worte in ein Lächeln verwandeln. Ich kann eine kalte Seele in eine warmherzige verwandeln. Aber solltest du mich beleidigen, so werde ich zu Asche, und nur ein Lächeln kann mich dann noch versöhnen.

Kuorakka kurus ardakh (Es ist ein trauriger Regen über der Stadt)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Einst lebte in dieser Stadt eine junge Frau, sie ähnelte sehr dem traurigen Herbstregen. Sie hatte Charakter, war stolz und scheute keine Herausforderung. Sie hatte überhaupt vor nichts Angst. Manchmal war sie traurig, was sie vor niemandem verheimlichte. Sie ging dann ï den Rücken gebeugt ï im Regen durch die Stadt spazieren. Manchmal war sie aber sehr fröhlich, dann schrieb sie wunderbare Gedichte. Doch eines Tages verließ sie die Stadt für immer. Seitdem quält mich der traurige Regen und es gibt keine Geschichten mehr, die er mir erzählen könnte.

Serejuem ajmakhtyy duuhany (Ich werde eine verwandte Seele erkennen)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Ich fühle eine verwandte Seele sofort. Es genügt ein freundlicher Blick und ich erkenne im Menschen eine verwandte Seele. Wenn du einfach etwas sagst, so werde ich sogar in den belanglosen Worten eine verwandte Seele erkennen und dir meine Hand reichen. Wir würden sofort einander verstehen und davon wird es hell um uns herum werden.

Aar tataj ogoloor (Bittgesang)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Wie man sieht, geht es der Natur schlecht. Dem Wald werden viele Bäume genommen, die Seen werden leergefischt. Man behandelt die Natur nicht gut. Die Geister des Waldes und des Sees sind vom Menschen enttäuscht und untereinander verfeindet. Die Menschen denken nur noch an das Geld. Sie sind schwach geworden, zerbrechen an jeder Kleinigkeit. Ich sage euch all das offen, möge mein Bittgesang die Obrigkeit erreichen. Wer es versteht, der wird begreifen, wer es anschaut, der wird sehen, wer es hören mag, der wird erhören.

Serejbekkuen (Du ahnst es nicht)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Du ahnst nicht, wie du mich Tag für Tag, Stunde um Stunde verlierst. Unmerklich, langsam entferne ich mich von dir immer weiter und weiter. Mit mir gehen mein Lächeln und meine Stimme weit weg in die Ferne.

En kellergin (Wenn du zu mir kommst)
Text: Anna Parnikova

Du hast ein Pferd. Wenn du auf ihm angeritten kommst, so lehne ich mich mich an seine Mähne und weine vor Glück, dass du gekommen bist. Die Peitsche, die du in den Schnee fallen gelassen hast, streichel ich mit meinen Fingern. Du sags: "Hallo!" ich tue so, als ob ich nichts höhre. Ich bereite dir ein Mittagessen zu, und während du ißtst, schaue ich zu und halte den Atem an. Wenn du gehst schtreichelt mein Blick sehnsüchtig deine Schultern. Und wenn man die Hufe deines Pferdes draussen  sich entfernen höhrt, stehe ich am Fenster und zerkratze das Eis.

Barastylahyy (Abschiedslied)
Text: Platon Ojuunuskaj

In Abwesenheit des Getten wohnte eine Frau sechs Monate mit einem anderen Mann zusammen. Nun ist es Zeit Abschied zu nehmen. Sie singt: "Mein Freund, wir verbrachten sechs Monate mit einander. Falls du mal wieder hier bist, so gehe nicht an meinem Haus vorbei, komm rein und sei mein Gast. Du hast ein eigenes Zuhause, fahre heim, ich wünsche dir alles Gute. Sei glücklich."

KUHUNGNGU KUSTUHUU (Umarmug im Herbst)
Text: Nataljia Kharlamp'eva

Späte Liebe. Eine Frau erinnert sich an den Kuß ihres Geliebten. Der Duft der Bäume erinnert an den Geschmack seiner Lippen. Späte Liebe ß geheime Liebe.

Udagan yryta (Schamanen Lied)
Text: Der Erste aller Schamanen

Die persönlichen Geister eines Menschen werden gerufen. Butter und Kumys werden dem Feuer als Opfer dargeboten. Die Schamanin singt: "Esse es Feuer, esse es auf!" Das Ritual kann nun beginnen.

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